Zahlungsverkehr

Kernbankensystem – Das Herz eines Finanzinstituts

Kernbankensystem
Geschrieben von David A.

Ein Kernbankensystem (auch: Core-Banking-System) ist das Herz eines Finanzinstitutes. Es besteht aus einer datenbankbasierten Software, die die gesamten kontenrelevanten Geschäfte einer Bank bearbeitet und verarbeitet. Jede Bank benötigt sie, um Banktransaktionen zu bearbeiten sowie Konten und Finanzdaten zu aktualisieren. Ursprünglich waren die Funktionen eines Kernbankensystems auf Transaktionsabwicklungen beschränkt. Neuere Systeme erweiterten ihren Funktionsumfang aber auf Elemente wie z. B. das Customer Relationship Management oder die Produkteverwaltung.

Individuelle Software

In der Vergangenheit arbeiteten viele Finanzinstitute mit einer individuellen Software, die über die Jahre mit den Anforderungen gewachsen und entsprechend komplex ist. Sie lässt sich nur umständlich auf veränderte Bedingungen anpassen und gilt daher als nicht mehr zeitgemäß. Insbesondere der Sparkassenverband und die Genossenschaftsbanken verwenden selbst entwickelte Kernbankensysteme.

Standardsoftware

Demgegenüber steht individualisierbare Standardsoftware wie sie vor allem die Privatbanken verwenden. Sie hat sich in der Bankenwelt erst sehr spät etabliert. Mit ihr lassen sich die Bankgeschäfte schneller anpassen, wenn es beispielsweise neue Vorschriften umzusetzen gilt. Entweder durch neue Parameter oder zusätzliche Programmierung.

Weder die individuellen Kernbankensysteme noch die meisten Standardprodukte sind den Herausforderungen der Payment Service Directive 2 (PSD2) vollständig gewachsen. Sie sorgt seit Inkrafttreten für den größten strukturellen Umbruch in der Geschichte der Banken. Sie verlieren nicht nur das Monopol auf die Kundendaten, sondern müssen sich auch technisch umstellen. Insbesondere sehen sie sich jetzt mit Migrationsvorhaben und dem Wechsel ihrer Kernbankenlösung auf eine neue Standardsoftware konfrontiert.

Strategische Fragen

Die Öffnung der eigenen IT-Systeme, die die PSD2 fordert, ermöglicht den Banken, an Märkten teilzunehmen, die sich gerade neu entwickeln. Sie stehen jetzt vor der Frage, wie eng sie mit den FinTechs zusammenarbeiten möchten. Eine strategische Frage, denn FinTechs haben bereits erfolgreiche Finanzprodukte entwickelt, die den Banken theoretisch Marktanteile kosten könnten.

PSD2-konforme XS2A-API oder Programmier-API

Eine Möglichkeit für die Banken wäre, ihr bestehendes Kernbankensystem zu behalten und nur die geforderte XS2A-API zur Verfügung zu stellen. NDGIT bietet sie mit “PSD2-ready” an. Sie könnten aber auch ein neues standardisiertes Kernbankensystem zusammen mit einer Programmier-API nutzen.

In diesem Modell würde das bestehende System in ein standardisiertes System migriert, dessen Kernfunktion die Transaktionsabwicklung ist. Zusatzfunktionen würde es über Drittsysteme oder einzelne Module abwickeln.

Mit einem für APIs offenen Kernbankensystem könnten Banken Kontodaten bei anderen Banken aufrufen und auf ihrer eigenen Plattform mehrere Konten gleichzeitig anzeigen (Multibanking). Weitere mögliche Funktionen, die eine Programmier-API bietet, wären Scoring, Kontowechsel und SMB Banking. Banken könnten für FinTechs aber auch eine White-Label-Lösung anbieten (White Label Banking), um ihre eigene Infrastruktur zu monetarisieren.

Monetarisierung der Back-End-Infrastruktur

Eine weitere Möglichkeit der Banken, Gewinn aus der PSD2 zu ziehen, ist die Monetarisierung der Back-End-Infrastruktur über standardisierte Schnittstellen. Im Moment stellen die Banken viele digitale Leistungen noch kostenlos zur Verfügung, da sie darauf hoffen, die Kunden in einem Umfeld immer stärkerer Konkurrenz zu halten. Sie könnten diese Services aber auch monetarisieren.

Im Gespräch sind zum Beispiel die Ausweitung bereits bestehender Subscription- oder Pay-Per-Use-Modelle. Bankkunden erhalten in diesem System einen kostenlosen Basis-Zugang und können zusätzlich kostenpflichtige erweiterte Pakete buchen.

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