Girokonto

N26 und Revolut mischen den Girokonto Markt auf

Smartphone-Banking
Geschrieben von David A.

Das gute alte Girokonto – jeder hat mindestens eins, jeder braucht eins. Und die meisten Bundesbürger setzen immer noch auf die Konten bei den klassischen Filialbanken. Schließlich liegen die Vorteile auf der Hand: Bankgeschäfte lassen sich überall direkt vor Ort tätigen, und bei Problemen oder Fragen hilft der freundliche Mitarbeiter am Schalter schnell weiter. Die Schattenseite: Das Ganze erfordert einen großen bürokratischen und personellen Aufwand, den letztendlich der Kunde mitfinanzieren muss. Daher verursacht ein Girokonto bei einer klassischen Filialbank fast immer höhere Kosten – sowohl fixe als auch transaktionsabhängige – als sein Pendant bei einer Direkt- bzw. Internetbank.

Kein Wunder, dass immer mehr Verbraucher die Kostenvorteile von Internet- und Direktbanken und deren Girokonten erkennen. Daraus hat sich in den letzten Jahren ein echtes Erfolgsmodell entwickelt. Und seit einiger Zeit zündet die zweite Stufe – die modernen Start-up-Banken wie N26, Revolut und einige andere. Sie setzen nicht nur auf das Direktbankprinzip, sondern auch auf das konsequente Banking mittels Smartphone und App – einfach, schnell und von überall aus.


So ist es leicht nachvollziehbar, dass die Anbieter derzeit zum Höhenflug ansetzen. N26 beispielsweise expandiert in diesem Jahr stark ins Ausland. Knapp ein Jahr nach der Ankündigung des deutschen fintech-Startups, seinen Service in Großbritannien einzuführen, startet das Unternehmen nun durch. N26 ist in der Eurozone mit mehr als 1,5 Millionen Kunden bereits sehr beliebt. In diesem neuen Markt wird die Bank jedoch einem harten Wettbewerb mit bestehenden Anbietern wie Revolut, Monzo, Starling und vielen anderen ausgesetzt sein. Besonders Erstgenannter ist weit verbreitet.

Doch zunächst zu N26: Der Anbieter wird seine Produkte in mehreren Phasen einführen. Einige wenige Glückliche werden in der Lage sein, sofort ein Konto zu eröffnen. Das Startup wird dann seine Warteliste abarbeiten – 50.000 Menschen haben bereits ihre E-Mail-Adressen hinterlassen, um ihr Interesse zu bekunden. Im Laufe der Zeit kann jeder die App herunterladen und sich anmelden. Das mag zunächst nach einem langwierigen Prozess klingen, N26 forciert jedoch eine vollständige öffentliche Einführung in wenigen Wochen. Es sollte also ziemlich schnell gehen, wenn alles wie geplant läuft.

Was bietet N26?

Wer ein N26-Konto eröffnet, erhält ein echtes Bankkonto und dazu eine MasterCard. Die Grundkonten sind kostenlos, N26 verfügt über eine ordnungsgemäße Banklizenz. Somit sind alle Kundeneinlagen bis zu einem Betrag von 100.000 Euro durch das europäische Einlagensicherungssystem abgesichert. Kunden können mit N26 Geld senden und empfangen und mit der Karte fast überall bezahlen. Das Senden von Geld an andere N26-Benutzer erfolgt ohne Zeitverzug sofort (mit der sogenannten „MoneyBeam“ Funktion).

Und was macht der Hauptkonkurrent Revolut?

Seien wir ehrlich: Der „Big Player“ im Raum Großbritannien in Sachen Smart Banking ist Revolut. Das Unternehmen hat Hunderttausende (wenn nicht sogar mittlerweile über eine Million) Kunden in Großbritannien. Um diesen Marktführer anzugreifen, muss N26 einiges aufbieten. Schauen wir uns das Ganze doch einmal etwas genauer an.

Wie bereits erwähnt: N26 besitzt eine offizielle Banklizenz. N26-Karten funktionieren sowohl mit Apple Pay als auch mit Google Pay. Wenn es um internationale Zahlungen geht, können Sie mit N26 und Ihrer Karte überall auf der Welt ohne zusätzliche Gebühren bezahlen. Das Unternehmen verwendet das Netzwerk von MasterCard. Revolut dagegen konvertiert das Geld zuerst mit seiner Forex-Funktion. Von den reinen Kosten nehmen sich beide Anbieter derzeit nicht viel. In manchen Funktionen ist Revolut günstiger, in einigen anderen N26.

Revolut bietet seinen Kunden jedoch einen deutlich größeren Umfang an Funktionen als N26. Sie können Ihr Handy versichern, Bitcoins kaufen, Reiseversicherungen abschließen, virtuelle Karten erstellen und vieles mehr. N26 setzt dagegen eher auf ein schlankes Kontomodell, einfach zu bedienen und frei von überflüssigem Ballast. Welches Modell sich letztendlich durchsetzt, wird die Zeit zeigen.

Für wen lohnt sich ein App-Girokonto?

Wir sehen also: Die Anbieter von Smartphone- bzw. App-Girokonten, der neuesten und modernsten Variante des altbekannten Girokontos, sind auf dem Vormarsch. Und das europaweit. Viele Verbraucher fragen sich trotzdem, ob ein solches Kontomodell für sie lohnenswert wäre. Hier einige Tipps dazu:

Zunächst gilt: Ein Smartphone-Konto ist nicht wie das andere. Die Anbieter haben in ihren Leistungsportfolios unterschiedliche Funktionen aufzubieten. Dies wird auch dadurch bedingt, dass die Banken die Konto- und App-Funktionen nicht selbst erstellen. Stattdessen arbeiten sie mit anderen Fintechs zusammen, u. a. auch mit Big Playern wie etwa Google. Jeder sollte also zunächst vergleichen, welche Funktionen er unbedingt benötigt.

Am besten eignen sich Smartphone- und App-Konten naturgemäß für Menschen, die ihre Bankgeschäfte weder am Schalter vor Ort noch am heimischen PC oder Notebook tätigen wollen. Stattdessen genießen sie die Freiheit, mit dem Smartphone von praktisch jedem Ort der Welt aus Zugriff auf ihr Konto haben zu können. Und nicht nur das: Über den reinen Zugriff hinaus steht der volle Funktionsumfang zur Verfügung. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Push-Nachrichten bei Transaktionen: Schnelles Aufdecken von Betrugsfällen und Unregelmäßigkeiten in Echtzeit. Per App kann dann auch beispielsweise die Kreditkarte direkt gesperrt werden.
  • Geld senden mit dem Smartphone: Geld an einen Empfänger senden, obwohl dessen Kontonummer nicht bekannt ist. Dabei handelt es sich um sogenannte Peer-to-Peer-Überweisungen, welche über die Telefonnummer laufen.
  • Einstellen von Limits: Viele Anbieter offerieren die Möglichkeit, selbst die Limits für Überweisungen und Kartenzahlungen einzustellen.
  • Überweisen in andere Währungen: Die klassischen Banken verlangen hierfür hohe Gebühren. Nicht so die Smartphone-Banken. Die genauen Kosten werden direkt bei der Überweisung in der App angezeigt.
  • Geld abheben im Supermarkt: Direkt mit der App an den Kassen von Supermärkten Geld abheben – schnell, bequem und sicher.

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