Der Aufstieg der FinTechs

Einleitung

„Banktransaktionen werden benötigt, Banken aber nicht!“ So äußerte sich sinngemäß ein führender Computer-Entwickler Anfang der 90er Jahre – und heute – knappe 30 Jahre später – könnte diese Aussage tatsächlich reale Züge annehmen.

In den letzten Jahrzehnten waren Banken ein stabiler Pfeiler der deutschen Wirtschaft. Das Bankwesen, ein wichtiger Zweig der deutschen Wirtschaft, der abertausende Arbeitsplätze schuf und lukrative Einkommenschancen für die Mitarbeiter bereithielt. Aber die Zeiten wandeln sich. Die Bankenwelt wird bedroht. Nicht von anderen Konzernen oder gar Staaten – nein, von kleinen Startups, die mit ihren innovativen und digitalen Geschäftsmodelle den Banken viele Kunden abwerben und mittlerweile eine echte Konkurrenz darstellen: die Rede ist von „FinTechs“.

Aufgrund der fortgeschrittenen Digitalisierung ergeben sich immer bessere Möglichkeiten, um bestimmte Probleme im Finanzsektor zu lösen. Die sog. FinTechs schaffen es dabei in besonderer Weise, alltägliche Herausforderungen durch technologische Innovation zu meistern. Dadurch geraten etablierte Banken und Versicherungen immer mehr in Bedrängnis. Im folgenden Beitrag erfahren Sie u.a., was FinTechs überhaupt sind, welche Arten von FinTechs es gibt und wie groß die Bedrohung für etablierte Konzerne wirklich ist.

Warum dieser grundsätzliche Wandel?

Der technologische Fortschritt in den Industrieländern sowie die voranschreitende flächendeckende Vernetzung Deutschlands wirkt sich allmählich auf das Verhalten der Bankkunden aus, wie diese ihre Bankgeschäfte tätigen: Mehr und mehr werden herkömmliche Bankfilialen gemieden, stattdessen werden Banktransaktionen über das Internet und über Apps getätigt.

Aber ohnehin: Die Finanzwelt erlebte in den letzten Dekaden ein beeindruckendes Wachstum und ist nun m. E. an einem Schwellenpunkt angelangt. Vom Jahr 1472 an, der Gründung der ersten Bank, bis jetzt (2019), in dem FinTechs die alt-etablierten Strukturen angreifen und für sich beanspruchen, hat sich einfach enorm viel getan.

Ursprungstreiber des sagenhaften Aufstiegs der FinTechs liegt m.E. u.a. in der flächendeckenden Verbreitung des Internets, welche seit den 1990er Jahren unaufhörlich im deutschsprachigen Raum (aber auch international) voranschreitet. FinTechs stützen sich somit eklatant auf die Welle der breiten Einführung digitaler Informationstechnologien. Mittlerweile wird entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Bankensektor auf Technologien gesetzt – analoge Tätigkeitsfelder werden regelrecht „ver-digitalisiert“. Vielfach werden gezielt die Prozesse innerhalb der Banken effizienter gestaltet mit dem Einsatz innovativer Technologien.

Die junge Generation als Treiber des FinTech-Erfolges

Dem aufkeimenden Trend der FinTechs und digitalen Lösungen rund um das Bankwesen spielt die Technologieaffinität der jüngeren Generationen in die Hände: die jungen Menschen, mit Computer, Internet und Medien aufgewachsen, scheuen sich nicht davor innovative Lösungen auszuprobieren, die ihnen neue Vorteile und Annehmlichkeiten im Leben verschaffen würden. Die FinTechs überzeugen bei ihren Produktlösungen dabei u.a. mit ausgefeilten Innovationen, wie z.B. besonderen Features oder leichterer Handhabe und Bedienung, die das Interesse potenzieller Banknutzer wecken. Besonders die jüngeren Generationen fühlen sich von innovativ gestalteten „Erlebniswelten“ bei der User-Experience sichtlich wohl.

FinTechs nicht die einzige Herausforderung für Banken im digitalen Zeitalter

Innovative FinTechs mit ihren neuen digitalen Technologieansätzen sind nur eine Herausforderung für die Bankenwelt. Denn: Die vergangene Finanzkrise hat ihre Spuren hinterlassen. Es muss sich seither an viel strengeren Compliance-Vorschriften gehalten werden. (→ Eine Einhaltung von strengen Vorschriften, deren Realisierung selbstverständlich auch mit monetären und personellem Aufwand verbunden ist.)

Der Wettbewerb für die Banken ist also angespannt, die Herausforderungen wachsen und zeitgleich werden sie in ihren Geschäftsfeldern „attackiert“ – von jungen, aufstrebenden Technologieunternehmen, die ihnen die Kunden streitig machen wollen.

Noch nie zuvor standen Banken in solch kurzen Zeitabständen vor derartig mannigfaltigen Problemen, die mitunter existenzbedrohend auf sie von außen hereinbrechen und einwirken.

Banken haben Zeitalter der Computerisierung nicht verschlafen

In den letzten 50 Jahren haben Banken eigentlich nicht den grundsätzlichen „IT-Trend“ (→ Trend zur „Computerisierung“) verschlafen. Vielmehr galten sie sogar weithin als regelrechte Pioniere, wenn es darum ging, eine ausgefeilte und effiziente Inhouse-IT für sich selber aufzustellen. In Banken sind große IT-Abteilungen fest verankert und implementiert – mit sehr fähigen Mitarbeitern; pro Bank ruhig an die Tausend, die sich nur der Banken-IT widmen. Im Rahmen dessen erkannten viele Banken auch das Potenzial der individuellen Softwareanpassungen für ihre eigenen (Unternehmens-)zwecke: Software wurde bankintern extra auf die individuellen Anforderungen der Banken programmiert.

Die Technologien der Neuzeit haben es auch erst ermöglicht, dass wir schnell Überweisungen von einem Ort zum anderen tätigen können: SWIFT, TARGET und SEPA (erst seit 2009) sind Netzwerksysteme moderner Natur.

Welche marktwirtschaftlichen Gründe gibt es für den Aufstieg der FinTechs?

Das Internet als Pfeiler der FinTechs, ja. Allerdings sind die wahren Gründe, warum FinTechs überhaupt so durchstarten konnten, von wirtschaftlicher Seite aus viel komplexer zu betrachten. Der Aufstieg der innovierenden FinTechs im deutschsprachigen Raum kann als eine regelrechte „Bewegung“, vielleicht sogar als eine Art Trend angesehen werden.

Folgende drei marktwirtschaftlichen Gründe hat es m.E., warum FinTechs in den letzten Jahren derart massiv vorankamen und sich stellenweise richtig etablieren konnten:

1. Immer mehr Start-Ups sehen mittlerweile im Anbieten von Finanzdienstleistungen ein lukratives Hauptgeschäftsfeld.

Traditionelle Bankhäuser versuchen zwar dagegen zu halten, FinTechs sind jedoch dynamischer und flexibler und reagieren auf diese Weise stellenweise schneller auf sich verändernde Marktbedingungen; zumindest im digitalen Bereich. Was absolut wettbewerbs- u. erfolgskritisch sein kann.

2. Das Verhalten der Bankkunden hat sich gewandelt

Und zwar in Bezug darauf, wie sie Onlinebanking sehen. Bankkunden wurden in den letzten Jahren stetig offener für Onlinebanking. Dazu beigetragen hat sicherlich, dass es mit der Zeit immer leichter wurde, Finanzinformationen über mobile Geräte wie Smartphones abrufen zu können und dass die digitalen Technologien teils überzeugende Leistungen bzw. Features anboten, die es so bisher nur bei einem Bankberater in der Filiale gab.

Die Vor-Ort-Filiale wurde für die Kunden in den letzten Jahren also immer weniger wichtig. Vieles (z. B. hinsichtlich der Transaktionen) verläuft nur noch unterwegs auf „mobilen Geräten“ ab; dies führt dazu, dass sich kaum einer mehr seiner eigenen Hausbank gegenüber verpflichtet bzw. verbunden fühlt. Bankkunden sind also von ihrer Mentalität her offener dafür geworden, nicht nur mehr von ihrer Hausbank, sondern zusätzlich (oder nur) noch von Anderen, wie z. B. den Anbietern von Finanz-Apps, Leistungen zu beanspruchen.

3. Das „Erbe“ der Finanzkrise ab 2007

Aufgrund der Finanzkrise wurden in den letzten Jahren etliche neue Vorschriften eingeführt, die allen voran die traditionellen Bankhäuser belasten. Anspruchsvollere gesetzliche Vorgaben beanspruchen die Ressourcen der Banken (zeitlich, monetär, personell). Auf eine innovierende FinTech-Lösung, die schnell auf den Markt gebracht wird, kann u.a. deshalb unter Umständen nicht adäquat und schnell genug reagiert werden.

Traditionellen Bankhäuser geraten unter Zugzwang

So oder so, sind die traditionellen Bankhäuser gezwungen auf die Lösungen der innovierenden FinTechs schnell und adäquat zu reagieren, damit keine Geschäftsfelder verlorengehen. Aufgrund der Bedrohung lässt sich m. E. beobachten, dass stetig mehr Banken den Fokus ihrer Aktivitäten etwas anders setzen; weg von der Optimierung interner hin zu den kundenorientierten Geschäftsprozessen. Online-Kanäle, die ihre Kunden berühren, werden immer wichtiger, die Digitalisierung von analogen Abläufen schreitet voran. Das althergebrachte Privatkundengeschäft, über traditionelle Filialen laufend, verliert dagegen stetig an Bedeutung.

Die Wettbewerbssituation spitzt sich zu; es offenbart sich, dass umso mehr Teilnehmer (..neuerdings nun, die unzähligen FinTechs) in den Markt reingehen und sich versuchen in den Geschäftsfeldern zu positionieren und im Wettbewerb zueinander stehen, die potenziellen Gewinnspannen für jeden einzelnen Teilnehmer im Finanzdienstleistungsgeschäft niedriger ausfallen. In jedem Fall eröffnen die vielen auf den Markt drängenden FinTechs eine neue (Wettbewerbs-)Situation für die traditionellen Bankhäuser, die sogar zu einer relativ ungünstigen Zeit eintritt. Denn aufgrund schärferer Regularien, grundsätzlicher bankinterner Umwälzungsprozesse (Stichwort: Digitalisierung) und weiterer diverser Faktoren haben unsere traditionellen Bankhäuser ohnehin schon sehr viel „um die Ohren“ und geraten deshalb in arge Bedrängnis.

Wie sind FinTechs eigentlich definiert?

Die Bezeichnung FinTech (→ „financial services and technology“) leitet sich von dem Oberbegriff Finanztechnologie ab, mit dem sämtliche innovative Technologien innerhalb des Finanzsektors beschrieben werden.

Grundsätzlich werden vor allem neuere Firmen bzw. Start-Ups mit diesem Begriff verbunden, da viele etablierte Konzerne oftmals veraltete Technologien nutzen und sich nicht schnell genug an die Digitalisierung anpassen.

Mittels hilfreicher Anwendersysteme, die alltägliche Aufgaben im Finanzdienstleistungsbereich deutlich einfacher möglich machen, konnte die Finanztechnologie zunehmend Aufmerksamkeit gewinnen. Manche Unternehmen können bis heute sehr hohe Wachstumsraten vorweisen, was zusätzlich für die Bedeutung des Sektors spricht.

Inwieweit können die FinTechs kategorisiert werden?

Grundsätzlich können FinTechs in fünf verschiedene Unterkategorien unterteilt werden.

• Der erste Bereich konzentriert sich vollständig auf den Finanzbereich. Dabei kann es sich zum Beispiel um Versicherungen oder Banken handeln, die ihren Kunden eine besonders innovative Form der Kontoführung anbieten.

• In die zweite Kategorie fällt der konkrete Zweck, zu dem ein FinTech-Unternehmen gegründet wurde. Als Anwendungsbereiche kommen hier zum Beispiel die klassische Beratung, eine Baufinanzierung oder auch eine automatisierte Geldanlage in Betracht. Angesichts der zunehmenden Verbreitung von Google Pay und Apple Pay werden auch immer mehr Start-Ups gegründet, die innovative Bezahlmethoden mit dem Smartphone oder Tablet ermöglichen.

• Zur dritten Kategorie zählen sog. adressierte Kundensegmente zusammengefasst. Damit sind Geschäftsmodelle wie der Peer-to-Peer-Kredit gemeint, bei dem Privatpersonen anderen Privatpersonen direkt einen bestimmten Betrag leihen können.

• In der vierten Kategorie wird nach der jeweiligen Interaktionsform unterschieden, also Business to Business (B2B), Business to Consumer (B2C) oder Consumer to Consumer (C2C).

• Schließlich können FinTechs auch danach unterschieden werden, wie sie sich gegenüber anderen Finanzdienstleistern positionieren. Während manche Unternehmen komplett eigene Lösungen für ihre Kunden anbieten, setzen andere Unternehmen darauf, eine Kooperation mit bereits bestehenden Banken oder Versicherungen abzuschließen und gemeinsam die bestmögliche Lösung zu finden.

Hohe Dichte an FinTechs in Deutschland

Die zunehmende Beliebtheit von FinTechs trägt also dazu bei, dass klassische Banken und Versicherungen mit ernstzunehmender Konkurrenz zu kämpfen haben. Hierzulande gibt es inzwischen über 400 FinTechs, weshalb Deutschland im europaweiten Vergleich über die höchste Dichte an innovativen Unternehmen in der Finanzbranche verfügt.
Einige Fakten:

• Obwohl der Anteil der Menschen, die das Online-Banking aktiv nutzen, erst bei knapp 60 Prozent liegt, ist es absehbar, dass es zukünftig auf einfache und unkomplizierte Lösungen in der Finanzbranche ankommen wird.

• Etablierte Banken, die es nicht schaffen, mit der Digitalisierung Schritt zu halten, werden früher oder später Kunden an die Konkurrenten im FinTech-Bereich verlieren.

• Zudem werden auch die klassischen Bankfilialen immer weniger besucht, vor allem von jüngeren Kunden. Beliebt sind stattdessen Girokonten, die modern und flexibel mit dem Smartphone verwaltet werden können. Als Beispiel sei hier das FinTech-Unternehmen N26 genannt, welches im weiteren Verlauf noch genauer vorgestellt wird.

• Andere FinTechs, die zum Beispiel Transaktionen vereinfachen, haben in den letzten Jahren ebenfalls an Bedeutung gewonnen. Im Vordergrund steht hier der Bezahldienst PayPal, mit dem es möglich ist, Transaktionen mit nur wenigen Klicks durchzuführen. Der Dienst ist weltweit deshalb so beliebt, da die Kontodaten nur einmalig und nicht bei jeder neuen Transaktion neu eingegeben werden müssen. Andere Unternehmen wie zum Beispiel BillPay ermöglichen auch den Ratenkauf, der im E-Commerce in der Regel nur selten angeboten wird.

Auch in der Finanzberatung konnte in den vergangenen Jahren ein Wechsel von der klassischen Beratung hin zu „Do-It-Yourself“ beobachtet werden.

Vorbei sind die Zeiten, in denen sich Anleger, die selbst nicht auf dem Finanzmarkt aktiv waren, auf bestimmte Portfolio-Manager verlassen mussten. Vielmehr können Depots und Sparpläne durch zahlreiche Start-Ups nahezu automatisiert erstellt und verwaltet werden. Dabei kommt in der Regel ein ausgeklügelter Algorithmus zum Einsatz, der auch an die eigenen Bedürfnisse und Wünsche angepasst werden kann. Ein Beispiel hierfür ist der Sparplan des FinTechs OSKAR, bei dem ein solcher Algorithmus verwendet wird, um auch unerfahrenen Anlegern effektives Sparen zu ermöglichen.

Wie sieht die internationale Wettbewerbssituation aus?

Auch im Ausland kann ein Anstieg der FinTech-Unternehmen beobachtet werden. Da die Zinsen in Deutschland bzw. im gesamten EU-Raum immer noch auf niedrigstem Niveau liegen, kann es hilfreich sein, die Kontoeröffnung bei einem ausländischen Anbieter in Betracht zu ziehen. Hierfür gibt es Unternehmen wie „Zinspilot“ oder „Savedo“.

Allerdings müssen bei diesen Start-Ups auch einige Risiken beachtet werden. Wie z. B. hinsichtlich der Einlagensicherung:

Obwohl es eine gesetzliche Einlagensicherung in Höhe von 100.000 Euro pro Kunden gibt, ist es nicht ausgeschlossen, dass ein EU-Land die Einlagen nicht ausreichend schützen kann. Das gilt vor allem für Unternehmen mit Sitz in wirtschaftlich schwächeren Ländern Europas wie in Bulgarien. Solche Angebote sollten möglicherweise vermieden werden, auch wenn die hohen Zinsen auf den ersten Blick sehr verlockend sind.

Über die sog. „FinTech-Liste“

In der sog. FinTech-Liste, die es in dieser Form seit 2013 gibt, sind die vielversprechendsten Unternehmen in Europa aufgelistet. Von den insgesamt 50 Unternehmen kommt ein großer Teil aus dem Vereinigten Königreich. Aber auch aus dem deutschsprachigen Raum haben es 12 Unternehmen in die Liste geschafft, wie zum Beispiel:

Mambu: Ein Unternehmen aus Berlin mit einer speziellen Software für Organisationen im Finanzbereich.

N26: Eine digitale Bank, bei der es möglich ist, ein Girokonto komplett mit dem Smartphone zu führen.

Scalable Capital: Das Münchner Unternehmen stellt einen sog. Robo Advisor bereit, der ein Portfolio automatisch zusammenstellt und verwaltet.

Im europaweiten Vergleich kann Deutschland also durchaus gut mithalten, was die FinTech-Szene betrifft. Es bleibt abzuwarten, welche Unternehmen sich auch langfristig durchsetzen können, da die Konkurrenz immer größer wird.

Was wird unter „InsurTech“ verstanden?

Als InsurTech kann eine besondere Form eines FinTechs bezeichnet werden. Start-Ups, die mit diesem Begriff gemeint sind, konzentrieren sich vorrangig darauf, moderne Lösungen in der Versicherungsbranche hervorzubringen.

Momentan gibt es in Deutschland über 20 verschiedene InsurTechs, wobei die Anzahl stetig zunimmt. Diese Unternehmen haben verschiedene Geschäftsmodelle, die sich je nach Lebenssituation, Risikogruppe und Nutzungsverhalten unterscheiden.

Im Folgenden werden die häufigsten Prinzipien erläutert:

1. Health Insurance: Der größte Teil der InsurTechs hat sich auf den Gesundheitsbereich fokussiert. Unternehmen sammeln in diesem Fall die wichtigsten gesundheitlichen Daten von Patienten und geben sie an Ärzte weiter. Somit können effektive Versicherungsmodelle entwickelt werden, mit Leistungen, die ein Versicherungsnehmer auch wirklich benötigt.

2. Spot Insurance: Einige Situationen erfordern nur einen kurzfristigen Versicherungsschutz. Als Beispiel kann hier die Versicherung eines Mietwagens, der für 24 Stunden geliehen wird, genannt werden. Für diese Fälle sind Unternehmen mit einem Fokus auf Spot Insurance bestens geeignet. Der bürokratische Aufwand, der sonst mit solch kurzfristigen Versicherungen verbunden ist, soll bei diesen Geschäftsmodellen entfallen.

3. Contract Management: Zahlreiche InsurTechs handeln im Prinzip wie ein klassischer Versicherungsmakler, der die Kunden berät und dafür sorgt, dass sie die abgeschlossenen Versicherungen einfacher verwalten können. Die meisten Unternehmen bieten hierfür eine App an, mit der es möglich ist, die Versicherungen einzusehen und sie bei Bedarf zu ändern.

4. Peer to Peer Insurance: Hierbei handelt es sich um eine spezielle Form von InsurTechs. Mehrere Versicherungsnehmer verbinden sich in einer Gruppe und unterstützen sich gegenseitig, wenn es zu einem Versicherungsfall kommen sollte. Wenn dagegen kein Versicherungsschaden eintritt, profitieren die Kunden meist von einer Teilrückzahlung des Beitrags.

Erklärung einiger Begriffe im FinTech-Universum

Crowdinvesting

In den letzten Jahren konnten auch immer mehr FinTechs durch das sog. Crowdinvesting Konzept überzeugen. Hier beteiligen sich zahlreiche kleinere Investoren, oft auch Privatpersonen, an einem Unternehmen bzw. ihrer Geschäftsidee. Als Gegenleistung erhalten sie meist eine Beteiligung am Unternehmenserfolg. Angesichts der anhaltenden Niedrigzinsen kann das Crowdinvesting durchaus zu attraktiven Renditen führen.

Die Idee ist deshalb so beliebt, da sich Investoren bereits mit einem niedrigen Kapitalstock am Crowdfunding beteiligen können. Zudem lohnt sich das Prinzip auch für das Unternehmen, da der einfache Zugang den Bekanntheitsgrad des FinTechs in kurzer Zeit enorm steigen kann.

Auf der anderen Seite müssen aber auch die potenziellen Risiken beachtet werden. So kann es passieren, dass das Start-Up nach wenigen Jahren Insolvenz anmelden muss, was einen Totalverlust des investierten Kapitals zur Folge hätte. Aus diesem Grund sollten private Anleger nur einen kleinen Teil ihres Vermögens einsetzen.

PropTech – Gemeinsames Investieren in Immobilien

Der Begriff PropTech fällt ebenfalls unter das Crowdinvesting. Ähnlich wie bei Immobilienfonds können sich interessierte Anleger auch hier an mehreren Immobilienprojekten beteiligen.

Neben einer Investition in eine normale Wohnung gibt es auch die Möglichkeit, in Gewerbeimmobilien oder Pflegeheime zu investieren.

Bis vor wenigen Jahren konnten nur Investoren mit einem großen Kapitalstock diese Anlagemöglichkeit nutzen. Durch das Crowdinvesting werden aber die Gelder zahlreicher Investoren gebündelt, so dass es auch für Privatanleger möglich ist, sich an einem Immobilienprojekt zu beteiligen.

Crowdfunding und Crowdlending

Der Begriff Crowdinvesting muss vom Crowdfunding unterschieden werden. Bei Letzterem werden zumeist soziale oder kulturelle Projekte unterstützt, ohne, dass die „Crowd“ hierfür irgendeine Rendite bekommt. Stattdessen können die Spender von kleinen sachlichen Leistungen profitieren. Zu den bekanntesten Anbietern von Crowdfunding gehört die Seite www.kickstarter.com, bei der zum Beispiel gemeinnützige Projekte von Spendern unterstützt werden.

Ein weiterer ähnlicher Begriff ist das Crowdlending. Hierbei können Kredite direkt zwischen zwei Privatpersonen ausgehandelt werden. Dieses Prinzip lohnt sich oftmals für Menschen mit schwacher Bonität, die sonst keinen Kredit bei einer herkömmlichen Bank erhalten konnten. Ganz ohne Bonitätsprüfung geht es aber auch beim Crowdinvesting nicht. Die Plattformen prüfen jeden Antragsteller und legen anschließend einen Zinssatz fest, den der Gläubiger erhält. Je besser der Bonitäts-Score ist, desto geringer ist der Zinssatz für den Investoren. Die bekanntesten Plattformen für private Kredite sind hierzulande Auxmoney und Smava.

Vielversprechende FinTechs in Deutschland

Viele Investoren zeigen immer größeres Interesse an FinTechs, was ebenso an der Investitionssumme erkennbar wird: Laut dem Beratungsunternehmen Barkow Consulting lag das Volumen im Jahr 2018 bei knapp 1,1 Milliarden Euro, was eine Steigerung von 55 Prozent gegenüber 2017 bedeutet.

Das bekannteste FinTech in Deutschland ist die digitale Direktbank N26. Im Gegensatz zu herkömmlichen Banken kann ein Girokonto hier ausschließlich über das Smartphone geführt werden. Die Kontoeröffnung ist unkompliziert, da die Neukunden keine ausführlichen Unterlagen per Post an die Bank schicken müssen. Stattdessen kommt hier das moderne Videoident-Verfahren zum Einsatz. Das Unternehmen verspricht, dass das Girokonto komplett kostenlos ist und auch keine versteckten Gebühren anfallen. Wachstumsraten wie bei N26 konnte bisher kein anderes FinTech Unternehmen erreichen.

Allerdings gibt es einige vielversprechende FinTechs, die in Zukunft ähnlich erfolgreich werden könnten:

Solarisbank: Die Solarisbank konnte 2018 beachtliche Investitionen in Höhe von 57 Millionen Euro erhalten. Die Banklizenz und die Kooperation mit kleinen StartUps machen das FinTech zu einem aufstrebenden Kandidaten.

Smava: Das Kreditportal konnte 2018 in einer Finanzierungsrunde ebenfalls über 50 Millionen Euro erhalten. Das FinTech zeichnete sich in der Vergangenheit vor allem dadurch aus, dass es Kredite zum Niedrig- oder sogar Minuszins angeboten hat.

Fineleap: Ein ganz spezielles Geschäftsmodell wird von Fineleap verfolgt. Das Start-Up baut mithilfe von Investitionen selbst FinTechs auf, unter anderem die eben genannte Solarisbank. In den letzten Jahren erhielt das Unternehmen über 100 Millionen Euro von Investoren.

Scalable Capital: Der Vermögensverwalter Scalable Capital verkündete im Mai 2018, dass er insgesamt über 1 Milliarde Euro an Kundengeldern verwaltet. Für ein FinTech ist das beeindruckend, zumal es gerade in diesem Segment recht hohe Konkurrenz gibt. Das starke Wachstum des Unternehmens wurde auch durch die Kooperation mit der ING Bank angetrieben.

Fazit: Können FinTechs klassische Banken und Versicherungen verdrängen?

FinTechs können die Aufgaben traditioneller Geldhäuser und Versicherungen in moderner Form übernehmen. Daher stellt sich die Frage, wie gefährlich die innovativen Start-Ups für etablierte Konzerne werden.

Klar ist, dass das Vertrauen in die Banken bzw. Kreditinstitute durch die Finanzkrise 2008 stark gelitten hat. Daraus konnten die FinTechs schließlich einen großen Vorteil ziehen. Überzeugend sind vor allem die einfache Kontoeröffnung ohne Unterschrift sowie die oft geringen Gebühren. Aufgrund der Vielzahl an FinTechs ist es jedoch nicht einfach, seriöse von unseriösen Anbietern zu unterscheiden. Zudem gibt es trotz der hohen Anzahl an FinTechs nur wenige Unternehmen, die auch nachhaltig erfolgreich sind.

Klassische Banken und Versicherungen verfügen noch über treue Stammkunden, die einem Wechsel eher skeptisch gegenüberstehen. Sie haben also noch die Möglichkeit, ihre Angebote so zu verbessern, dass sie den modernen Standards entsprechen und insgesamt attraktiver für die Kunden werden. Dem sollte nachgegangen werden, damit sie nicht von den innovierenden FinTechs eingeholt werden.