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Inflation verschlingt Zinsen – Mythos oder Realität?

Zinsen und Inflation
Geschrieben von Dr. Maximilian H.

Oft hört und liest man in den Medien, dass die Inflation die Zinsen, die man für Kapitalanlagen wie Festgelder oder Spareinlagen erhält, verschlingen würde und Geldanlage daher nicht mehr lohnt. Ob es sich dabei um einen Mythos oder um die traurige Realität handelt, dieser Frage möchten wir im folgenden Beitrag nachgehen.

Wie hoch ist die Inflationsrate derzeit?

Um beurteilen zu können, ob die Inflation die Zinsen verschlingt, müssen wir uns natürlich mit zwei Zahlen beschäftigen: zum einen mit der Inflationsrate und zum anderen mit den Zinsen. Die Inflation zu bestimmen ist sehr einfach, denn Monat für Monat wird die aktuelle Inflationsrate für Deutschland gemessen und veröffentlicht. Für den vergangenen Monat (März 2019) wurde eine Inflationsrate in Höhe von 1,3% festgestellt. Damit lag die Inflation im letzten Monat beispielsweise um ein Prozent niedriger als noch vor fünf Monaten, nämlich im Oktober 2018. Tatsächlich ist die Inflationsrate innerhalb des letzten halben Jahres Schritt für Schritt wieder gesunken, nachdem sie im Jahresverlauf 2018 zunächst zwischen März und Juni deutlich angestiegen war.

Wie hoch sind die Zinsen derzeit?

Während die Bestimmung der Inflationsrate leicht und eindeutig ist, lässt sich die Frage danach, wie hoch die Zinsen momentan sind, schwerer beantworten. Der Grund besteht darin, dass man sich einigen muss, welche Zinsen man zum Vergleich mit der Inflation eigentlich heranziehen möchte. Es gibt nun einmal nicht DIE Zinsen, sondern jede verzinsliche Anlageform ist mit anderen Zinssätzen versehen. Hinzu kommt: Es existieren natürlich auch eine Reihe von Anlageformen, die eine andere Ertragsform als Zinsen haben, zum Beispiel Dividenden oder Kursgewinne.

Bleiben wir aber zunächst bei den verzinslichen Geldanlagen. Selbst dort muss allerdings differenziert werden, welche Laufzeit die Anlage hat, wie viel Kapital angelegt wird und wie sicher die Anlage überhaupt ist. Betrachten wir zunächst einmal die folgenden verzinslichen Geldanlagen, die zu den sichersten zählen, nämlich:

  • Spareinlagen
  • Festgeld
  • Tagesgeld
  • Geldmarktpapiere
  • Bundesanleihen

Wenn Sie sich aktuell zum Beispiel für ein gewöhnliches Sparkonto, für ein Tagesgeld oder ein Festgeldkonto mit einer Laufzeit von maximal zwei Jahren entscheiden, können Sie mit einer durchschnittlichen Verzinsung kalkulieren, die sich im Bereich zwischen 0,2 bis 0,7 Prozent bewegen dürfte. Damit trifft aktuell für diese Kapitalanlagen in der Regel tatsächlich die Aussage zu: Inflation verschlingt Zinsen. In diesem Fall ist die Inflationsrate mit 1,3 Prozent nämlich im Schnitt zwischen 0,6 und 1,1 Prozent höher als die Anlagezinsen, sodass ein realer Kapitalverlust eintritt. Eine ganz ähnliche Situation finden Sie auch bei vielen Geldmarktpapieren, Spareinlagen und den Bundeswertpapieren.

Inflation verschlingt keineswegs immer die Zinsen

Die obigen Beispiele stehen natürlich für Geldanlagen, die in der Niedrigzinssituation mit die niedrigsten Erträge liefern, die sich aktuell finden. Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch verzinsliche Anlageformen, bei denen die aktuellen Zinssätze oberhalb der Inflationsrate liegen. Dazu zählen zum Beispiel Anleihen von Staaten oder Unternehmen, die keine erstklassige Bonität aufweisen, Nachrangdarlehen oder Beteiligungen, die verzinst werden. Hier erhalten Anleger teilweise Zinssätze von mehr als drei Prozent im Jahr. In diesem Fall handelt es sich – um bei unserem Titel zu bleiben – demnach eher um einen Mythos, dass die Inflation die Zinsen verschlingen würde.

Dies trifft sogar in noch stärkerem Ausmaß für diverse andere Anlageformen zu, wenn man den Begriff der Zinsen nicht wörtlich nimmt, sondern stellvertretend für den Ertrag bzw. die Rendite einer Geldanlage. So existieren auch in der Niedrigzinsphase diverse Geld- und Kapitalanlagen, bei denen die Renditen für Anleger im Durchschnitt definitiv höher als die Inflationsrate sind, wie zum Beispiel:

  • Aktien
  • Investmentfonds (vor allem Aktienfonds)
  • Sachwertanlagen
  • Crowdfunding

Fazit: Inflation verringert oft die Rendite, aber verschlingt sie nicht immer

Bei verzinslichen Anlageformen ist es so, dass die Inflation die Rendite immer mindert, da das Geld, und somit auch der gezahlte Zins, weniger Wert wird. Ob die Zinsen allerdings komplett von der Inflationsrate verschlungen werden, hängt von mehreren Faktoren ab, wie zum Beispiel von der Art der Geldanlage, der Laufzeit und natürlich vom Guthabenzins. Auf die Rendite mancher Anlageformen hat die Inflation sogar gar keine negativen Auswirkungen, da der Anleger in einen Sachwert investiert und der Ertrag nicht aus Zinsen besteht. Dazu gehören in erster Linie Sachwertanlagen wie Gold, Silber, Immobilien, aber durchaus auch Aktien. Dass die Inflation also generell die Zinsen verschlingt, ist zwar kein Mythos, aber eine so pauschal nicht zutreffende Aussage.

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